Herzchirugie

Der letzte Schnitt

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Rüdiger Lange hat 12 000 Herzen operiert, Kindern das Leben geschenkt, es anderen durch Fehler genommen. Eine Geschichte über die Frage, wann man im Leben rechtzeitig aufhört.

Adrenalin schießt ins Blut, es ist wie ein Blitz, der den Körper aufspießt. Scheiße, was habe ich getan? Rüdiger Lange steht am OP-Tisch, Lupenbrille auf der Nase, gerade hat er einen winzigen Schnitt gemacht, ein paar Millimeter. Er hofft und bangt und sagt: Man kann alles versuchen, alles mögliche tun, aber das Kind wird diese Operation nicht überleben. So sehr Rüdiger Lange sich das wünscht, vielleicht hat er doch Glück, das sind so Gedanken, die in diesem Moment durch seinen Kopf rasen. Doch es ist ein fataler Fehler des Chirurgen. Und der Chirurg, das ist er.

Nur ein kleiner Schnitt am pflaumengroßen Herzen. Und der Patient stirbt. Er war keine zehn Wochen alt.

Rüdiger Lange, heute 64, Direktor der Herzchirurgie am Herzzentrum München, ein gefragter Mann in einer der renommiertesten Herzkliniken in Deutschland: Pro Jahr operieren sie hier etwa 3000 Mal.

Erschienen in: Süddeutsche Zeitung. Mehr lesen? Hier.